Was ist Systemische Therapie?

Es gab mal eine Zeit, da dachte man, psychische Erkrankungen entwickelten sich ausschließlich aus der Person heraus, die diese hat. 

Man suchte also nach der „Ursache“ in der Person und nahm an, dass diese zu einer bestimmten „Wirkung“ – der psychischen Erkrankung führe.

Per se keine schlechte Idee, aber es wurde doch irgendwann klar: das Konzept kommt an seine Grenzen. Manchmal half es nämlich nicht, sich nur die Person anzuschauen und ihre innerseelischen Prozesse. Irgendetwas fehlte…

Die Wechselwirkung! Die Interaktion von Mensch mit Mensch und auch von Mensch mit Umgebung („System“, Familie, FreundInnen, Partnerschaft, Arbeit, Freizeit…).

Systemisch zu arbeiten bedeutet, nicht zu glauben, dass eine Person das Problem ist oder hat, sondern dass sie in steter Wechselwirkung zu anderen Personen steht, die damit Teil des „Themas“ sind. Diese Wechselwirkungen führen dann, kurz gesagt, zu Holpern und Poltern und durch Veränderungen im inneren oder äußeren System der Person wird eine Verringerung des Leidensdrucks angestrebt. Es läuft wieder runder.

Die klassische ST lehnt Diagnosen psychischer Erkrankungen ab, weil sie in ihrer therapeutischen Haltung sich nicht als „ExpertIn“ für das innere und äußere Erleben ihrer KlientInnen aufspielen will, sondern mit Neugier und Interesse auf die unterschiedlichen, einmaligen inneren und äußeren Systeme reagiert. 

Die Systemische Therapie ist damit eine Form der Psychotherapie, die den Schwerpunkt auf den sozialen Kontext legt. D.h. SystemikerInnen haben auch das Umfeld, indem sich eine Person bewegt gut im Blick. Besonders an dieser Therapieform ist, dass häufig nicht nur eine Einzelperson PatientIn ist, sondern auch andere Mitglieder des Umfeldes (PartnerIn, Familie etc.) bei einer oder mehreren Sitzungen dabei sein können bzw. Teil der Therapie sind – beispielsweise in der Paar- oder Familientherapie.

Wie man sich vielleicht denken kann, bin ich eine große Freundin dieses Ansatzes. Aber im Gegensatz zum Systemischen Mainstream, lehne ich Diagnosen nicht ab. Das unterscheidet mich meist sehr von meinen Systemischen KollegInnen. Das Thema “Diagnosen” werde ich noch einmal gesondert aufgreifen.

4 Kommentare

  1. Auch ich finde den Ansatz viel versprechend. Der Mensch steht in Wechselbeziehung zu seinen Mitmenschen. Und diese können ihm helfen oder schaden. Wie sieht denn bei einer solchen Betrachtung ein Lösungsansatz aus?

    Like

    1. Komplex :-). Der Lösungsansatz hängt natürlich immer vom individuellen “System” ab. Ich vergleiche das gerne mit dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Wenn man es schafft eine kleine Stelle vom “Schlüsselbart” zu verändern, dann geht die Tür nicht mehr auf. Das Muster ist unterbrochen. Die Methoden, die man dafür anwenden kann sind natürlich vielfältig. Aber die Basis ist immer die gleiche: eine gute, tragfähige therapeutische Beziehung.

      Liked by 1 person

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s