Hyperemesis Gravidarum – aus psychologischer Sicht

Hyperemesis Gravidarum ist keine psychische Erkrankung. Hyperemesis Gravidarum ist eine schwere Form von Schwangerschaftsübelkeit. Eine physische Erscheinung mit psychischen Auswirkungen. Hyperemesis Gravidarum bedeutet nicht, dass der Schwangeren 12 Wochen lang „etwas“ übel ist. Es bedeutet jeden Tag Übelkeit. Jeden Tag Erbrechen. Mehrmals. Für manche Frauen über die gesamte Schwangerschaft hinweg. All die nett gemeinten Ratschläge von Ingwertee, Globuli, rohen Kartoffeln, das gut gemeinte „das ist in ein paar Wochen vorüber“… stellen bei dieser Form von schwerer Schwangerschaftsübelkeit eine echte weitere Belastung dar.

Hyperemesis Gravidarum ist kein Zeichen von psychischer Abwehr gegen das entstehende Kind. Es gibt Forschung, die zeigt, dass es sowohl hormonelle als auch genetische Gründe dafür gibt. Die Frage, ob die Schwangere das Kind „unbewusst“ oder auch „bewusst“ ablehnt ist in etwas so sinnvoll wie die Frage, ob ein Depressiver das Glücklichsein „unbewusst“ oder „bewusst“ ablehnt. Sie ist verletzend. Keine Frau sucht sich diese Form der Schwangerschaft aus.

Frauen mit Hyperemesis Gravidarum reagieren nicht nur körperlich. Sie sind geschwächt, sie waren vielleicht wochenlang an der Vomex-Infusion, sie waren stationär im Krankenhaus, um ihre Schwangerschaft zu überleben. Frauen mit Hyperemesis Gravidarum sind in den schlimmsten Fällen 240 Tage lang im Zustand einer Magen-Darm-Grippe. Das schwächt. Körperlich und auch psychisch.

Ja, auch Frauen mit Hyperemesis Gravidarum halten dann nach ca. 280 Tagen ihr kleines Wunder in den Händen. Manche Frauen mit Hyperemesis Gravidarum entscheiden sich auch nach 240 Tagen Übelkeit und Erbrechen für weitere 240 Tage und weitere 240 Tage – sie bekommen trotz dieser massiven Einschränkungen weitere Kinder. Manche auch nicht.

Ja, es sind nicht viele Frauen von dieser massiven Form der Schwangerschaftsübelkeit betroffen. Es sind vielleicht ca. 1 Prozent der Schwangeren. Aber wenn sie betroffen sind, dann brauchen sie Zuspruch, Liebe, Aufmerksamkeit, Mitdurchhalten und keine guten Ratschläge aus dem alternativmedizinischen Bereich oder Fragen, ob das gewünschteste Wunschkind nicht vielleicht doch kein gewünschtes Wunschkind ist.

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