Mustererkennung

Da lebt man so vor sich hin. Nichtsahnend, einfach vor sich hin. Wenn man genau das lange genug tut, fällt es einem vielleicht irgendwann auf: Die Freundschaften, die Liebschaften, die Arbeitsthemen, die Malessen mit den Mitmenschen… sie scheinen immer wieder die Gleichen zu sein. Man sucht sich andere Menschen, andere Arbeitsplätze, andere Freundschaften, andere Liebschaften… und auf einmal wird einem klar, dass die Themen die gleichen sind. Das Programm kenne ich schon. Das Gleiche in grün.

Häufig stellt sich in der Psychotherapie die Frage, warum jetzt? Warum erkenne ich das ausgerechnet jetzt? Warum habe ich das nicht schon vor 10 Jahren, vor 15 Jahren, vor 20 Jahren erkannt? Da war es doch auch schon Thema, da war es doch auch schon schwierig.

Ja, da war es vielleicht auch schon Thema, da war es vielleicht auch schon schwierig, aber da gab es etwas Entscheidendes noch nicht: Ein Muster. Je öfter wir die Gelegenheit haben ein Verhalten zu wiederholen, an unterschiedlichen Menschen, an uns selbst, in unterschiedlichen Situationen zu wiederholen und wieder und wieder zu holen, desto höher die Wahrscheinlichkeit der Musterentdeckung.

Es mag frustrierend sein, aber Muster kann man nur in der Wiederholung entdecken. Ohne Wiederholung kein Muster. Und ohne Zeit keine Wiederholungsmöglichkeit, keine Mustererkennung.

Musterentdeckt – und jetzt?

Muster erkannt? Muster bewusst? Musterunterbrechung möglich. Drauf auf die Angst. Man kann ein Muster vielleicht nicht verändern, aber man kann es verstören. Man kann etwas 278.000 Mal gemacht haben und man hat vielleicht auch keine Idee, wie man es besser machen könnte. Prima, man kann es anders machen. Das ist verstören. Verändern wäre etwas bewusst anders zu machen mit dem Ziel es besser zu machen. Verstören bedeutet, ich mache es anders und bleibe ergebnisoffen. Das ist auch Psychotherapie: Mustererkennung, Musterunterbrechung. Und dann, ja dann, vielleicht, vielleicht, vielleicht auch Musterdurchbrechnung, Veränderung, neues Muster… vielleicht besseres Muster…

2 Kommentare

  1. Dein (ich unterstelle jetzt mal, dass “Du“ ok ist) Beitrag trifft gerade so sehr auf meine heutige Erkenntnis zu, dass es fast unheimlich ist. Daher: dem kann auch nur zustimmen! Mit einem Mal sieht man es, und kann es (hoffentlich) ändern – nicht, dass mir nicht vorher schon genug Leute genau das erzählt haben, was ich heute sehe, aber ICH konnte es bis dahin einfach nicht erkennen.
    lg

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    1. (Das „Du“ ist vollkommen in Ordnung, alles andere ja eher verwunderlich) Oh, das ist schön (und fies zugleich), dass ich bei Dir den „Nerv“ getroffen habe. Bei aller Mustererkennung empfehle ich den Mut zur Unvollkommenheit. Drauf auf die Angst. Augen zu und durch. Also: herzlichen Glückwunsch zur Mustererkennung und viel Erkenntnisgewinn auf dem Weg der Veränderung.

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