In der Paartherapie kommt man um das Thema Sexualität nicht herum. Dazu kann man viele Bücher lesen, Fachbücher, Sachbücher und eben auch Autobiographien. So kam „Ich komme – was Mann beim Sex fühlt“ von Christian Seidel in meine Hände.

Bevor ich es las, erzählte ich im Freundeskreis, dass ich es lesen werde. Großes Gelächter. Eine Autobiographie mit dem Fokus auf männlicher Sexualität. Seit wann es Bücher mit zwei Seiten gäbe. Und genau deswegen braucht es solche Bücher, wie „Ich komme“ von Christian Seidel.

Man mag von dem Buch halten, was man will. Aber die volksmündische Antwort, männliche Sexualität könne auf zwei Seiten beschrieben werden, zeigt doch recht deutlich, wie es mit unserer Sichtweise auf die Sexualität des Mannes bestellt ist. Sie wird vereinfacht. Sie wird so lange vereinfacht, bis nur noch der Penis als einzige erogene Zone übrig bleibt. Ich wage zu behaupten, dass das auch in anderen „männlichen“ Bereichen eine Tradition hat (Männer haben nur eine erogene Zone und wenige Gefühle und diese auch nicht sehr intensiv und Mutterliebe ist sehr viel stärker als Vaterliebe und und und).

320 Seiten hat Christian Seidels Buch über seine männliche Sexualität. Ich fand es mutig. Manchmal fand ich es befremdlich (zum Beispiel wenn es um die Geschmacksvielfalt und -intensität von Körpersäften ging).

Die 320 Seiten ersetzen nicht,

  • das Gespräch mit dem eigenen Mann.
  • die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität.
  • die Suche nach Versprachlichung der eigenen Körperteile.
  • die weitere Lektüre.
  • die weitere Auseinandersetzung.

Aber sie öffnen den Horizont. Sie sind sehr mutig. Sie brechen vielleicht das Tabu-Thema der 2-Seiten-Männer-Sexualität ein Stück weit auf.

Die 320 Seiten machen deutlich,

  • wie ein Christian Seidel seine Sexualität entdeckt.
  • was Pornographie mit einem Mann machen kann.
  • was eine Kinderwunschbehandlung mit einem Mann machen kann.
  • dass zwischen den naturwissenschaftlichen Begriff „Penis“ und den pornographischen Begriff „Schwanz“ eigentlich noch andere Begriffe gehören würden und es schwierig ist solche für sich zu finden.
  • dass es lohnenswert ist sich auf die persönliche Geschichte eines Menschen einzulassen.

Paartherapeutisch und auch einzeltherapeutisch tauchen alle auf den 320 Seiten genannten Aspekte männlicher (und auch weiblicher) Sexualität immer wieder auf. Paartherapie und Einzeltherapie ist individuell. Genauso individuell wie die Sichtweise von Christian Seidel. Wer sich auf die individuelle Sichtweise einlassen möchte, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Wer eine allgemeinere Sichtweise erwartet, dem rate ich zu Lektüre aus der Sach- und Fachbuchsparte.

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